ADFC Wahl-Check - Kommunalwahl 2026
Im September dieses Jahres stehen die Räte in den Städten und Gemeinden, die Abgeordneten der Kreistage sowie die Landräte und Bürgermeister in Niedersachsen zur Wahl.
Wir haben die sechs Stader Bürgermeisterkandidaten zum Thema Fahrrad befragt.

Wir haben dazu den sechs Stader Bürgermeisterkandidaten in einem schriftlichen Interview die folgenden fünf Fragen gestellt. Fünf der Kandidaten haben bisher geantwortet. Die Reihenfolge richtet sich nach dem Eintreffen der Antworten.
Wahl-Check
- Tristan Jorde:
Das Rad ist neben Zufußgehen und dem ÖPNV mein bevorzugtes Verkehrsmittel, das ich praktisch täglich in Stade nutze, sowohl als Transportmittel als auch in der Freizeit. - Enrico Bergmann:
Ich habe heute wieder ein sehr persönliches Verhältnis zum Fahrradfahren. Lange Zeit konnte ich wegen Knieproblemen kaum Fahrrad fahren. Seit einigen Monaten habe ich nun ein E-Bike – und ich merke, wie viel Freiheit und Flexibilität mir das zurückgibt.
Gerade im Bürgermeisterwahlkampf nutze ich das Fahrrad inzwischen leidenschaftlich. Die Hansestadt Stade mit ihrer Kernstadt und den Ortschaften ist dafür ideal. Die Wege sind überschaubar und oft bin ich mit dem Fahrrad sogar schneller unterwegs als mit dem Auto. So komme ich direkt mit den Menschen ins Gespräch, sehe Probleme im Straßenraum aus eigener Perspektive und erlebe ganz konkret, wo Radfahren in Stade gut funktioniert – und wo noch Verbesserungsbedarf besteht. - Arne Kramer:
Ich habe ein sehr positives Verhältnis zum Fahrradfahren. Aufgewachsen bin ich in der Innenstadt von Hannover – einer Stadt, in der man als Kind und Jugendlicher ganz selbstverständlich vieles mit dem Fahrrad oder zu Fuß erledigt. Genau so bin ich groß geworden.
Das Fahrrad war für mich immer ein Stück Freiheit und Selbstständigkeit.
Auch heute versuche ich, außerhalb des Wahlkampfs möglichst viele Wege in Stade mit dem Fahrrad zurückzulegen. Das gelingt nicht immer, aber ich finde, dass man eine Stadt ganz anders wahrnimmt, wenn man sie auf dem Rad erlebt. Und ich gebe zu: Ich bin großer Fan der Tour de France. Ein Rennrad stand schon lange auf meiner Wunschliste – bisher habe ich mir diesen kleinen Traum allerdings noch nicht erfüllt.
Mir ist aber vor allem eines wichtig: Wir sollten aufhören, die verschiedenen Verkehrsteilnehmer gegeneinander auszuspielen. Fast jeder von uns ist mal Autofahrer, mal Radfahrer und mal Fußgänger. Deshalb stehen für mich alle drei Verkehrsarten gleichberechtigt nebeneinander.
Wenn wir uns häufiger in die Perspektive des jeweils anderen versetzen würden, wäre im Straßenverkehr schon viel gewonnen. - Kai Koeser:
Ich fahre gerne Fahrrad, heute allerdings nicht mehr so häufig wie früher, als ich in Hamburg gelebt habe. Das liegt auch daran, dass das Radfahren in Stade an manchen Stellen unnötig umständlich ist. Ein Beispiel sind die Ampeln an der Hansebrücke auf dem Weg von Riensförde in die Innenstadt. Solche Hindernisse machen das Fahrrad im Alltag oft weniger attraktiv, obwohl viele Strecken eigentlich ideal dafür wären.
Als Bürgermeister möchte ich Mobilität insgesamt verbessern – nicht Verkehrsmittel gegeneinander ausspielen. Stade braucht sichere und gut vernetzte Radwege, attraktive Fußwege, einen verlässlichen Nahverkehr und eine leistungsfähige Straßeninfrastruktur. Jeder soll selbst entscheiden können, wie er am besten unterwegs ist. Gute Bedingungen für den Radverkehr gehören für mich selbstverständlich zu einer modernen und lebenswerten Hansestadt. - Richard Klaus:
Ich nutze verschiedene Mobilitätsformen je nach Situation. Beruflich bin ich auf ein Auto angewiesen und erledige daher viele Besorgungen auf ohnehin notwendigen Fahrten. In der Stadt gehe ich sehr gerne zu Fuß zu Veranstaltungen und Terminen.
Für Fahrten nach Hamburg habe ich das Deutschlandticket schätzen gelernt, trotz mehrfach erlebter Unzuverlässigkeit im ÖPNV.
Mein Fahrrad wird aktuell instandgesetzt, weil ich es künftig stärker in meinen Alltag integrieren möchte. Die Beschäftigung mit den Herausforderungen des Radverkehrs in Stade hat meinen Blick dafür geschärft, wie wichtig gute Infrastruktur ist, damit Menschen – auch ich selbst – sicher und komfortabel Rad fahren können.
- Tristan Jorde:
Wo sehen Sie momentan die größten Defizite in der Fahrradinfrastruktur der Stadt?
- Tristan Jorde:
Ehrlich gesagt verstehe ich nicht, wie Stade zu diesem Titel kommt (außer vielleicht wegen der Ausrichtung der entsprechenden Tagung im Stadeum). Ein paar erfreuliche Neubauten für Fahrräder stehen einer über lange Jahre angesammelten Reihe von schweren Defiziten gegenüber. Diese reichen von rechtswidriger Beschilderung und Kennzeichnung über lästige Ampelschaltungen und sinnwidrige Fahrradstreifen, mangelndes Angebot an gut ausgebauten Fahrradrouten auf den Hauptstrecken bis zu in weiten Teilen katastrophale Straßen- und Wegepflasterungen. Fahrradfreundlich sind derzeit hauptsächlich die Absichtserklärungen der Stadt. - Enrico Bergmann:
Die Zertifizierung ist ein gutes Signal, aber sie darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir in Stade noch einiges verbessern müssen. Ja, es gibt Radwege und man kommt grundsätzlich gut von A nach B. Wirklich komfortabel und sicher ist das jedoch noch nicht überall.
Ein großes Problem ist die Unterhaltung der bestehenden Radwege. Zugewachsene Hecken, tiefhängende Äste oder fehlender Grünschnitt dürfen nicht dazu führen, dass Radfahrer mit dem Helm gegen Äste stoßen oder ausweichen müssen. Hinzu kommen Schlaglöcher sowie teilweise sehr harte und unebene Übergänge zwischen Fahrbahn und Hochbord.
Verbesserungsbedarf sehe ich auch bei der Wegweisung. Gerade im Bereich des Hafens und entlang des Elberadwegs sollten Ziele deutlich besser ausgeschildert werden – beispielsweise Richtung Elbe, Elbstrand oder Krautsand. Gute Beschilderung gehört für mich zu einer fahrradfreundlichen Stadt dazu.
Zur Fahrradfreundlichkeit gehört für mich aber auch, dass Regeln für alle gelten. Fahrradfreundlich wird eine Stadt nicht dadurch, dass jeder fährt, wie er möchte, sondern dadurch, dass alle sicher unterwegs sein können. Wer dauerhaft auf der falschen Straßenseite fährt, rote Ampeln missachtet oder mit dem E-Scooter andere gefährdet, sorgt für gefährliche Situationen. Als Bürgermeister werde ich hier konsequent hinschauen und durchgreifen lassen – mit Aufklärung, aber auch mit Kontrollen. Dabei setze ich auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Landkreis und der Polizei. Denn echte Fahrradfreundlichkeit entsteht nur, wenn Fußgänger, Radfahrer, E-Scooter-Fahrer und Autofahrer sich aufeinander verlassen können.
Ein weiterer Punkt sind sichere Abstellmöglichkeiten. Gerade hochwertige E-Bikes oder Lastenräder brauchen geschützte Stellplätze. Ich halte es für sinnvoll, im Parkhaus Wallstraße eine Ebene für Fahrräder mit sicheren Abstellmöglichkeiten einzurichten. Wer den Umstieg aufs Fahrrad fördern möchte, muss dafür auch die notwendige Infrastruktur schaffen. - Arne Kramer:
Ich freue mich über die Anerkennung, persönlich halte ich die Auszeichnung aber für etwas verfrüht. Stade ist auf einem guten Weg, aber aus meiner Sicht noch keine wirklich fahrradfreundliche Stadt.
Die größten Defizite sehe ich bei der Infrastruktur. Wir haben gute Konzepte, insbesondere die geplanten Radvorrangrouten. Diese müssen jetzt aber konsequent umgesetzt werden. Dabei geht es nicht nur um große Baumaßnahmen, sondern oft auch um die vielen kleinen Hindernisse, die den Radverkehr ausbremsen – Bordsteinkanten, Engstellen oder unübersichtliche Querungen.
Wir müssen die Vorrangrouten auch tatsächlich als solche erlebbar machen. Erst wenn Radfahrende komfortabel, sicher und möglichst ohne unnötige Unterbrechungen durch die Stadt fahren können, werden wir dem Anspruch einer fahrradfreundlichen Kommune gerecht. - Kai Koeser:
Die Zertifizierung ist eine Anerkennung für das Erreichte – aber vor allem ein Auftrag, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen. Stade hat noch deutliches Potenzial.
Die größten Defizite sehe ich in der Qualität und Durchgängigkeit des Radwegenetzes. An vielen Stellen enden Radwege unvermittelt, sind zu schmal oder führen an Kreuzungen und Einmündungen zu unübersichtlichen Situationen. Hinzu kommen Lücken zwischen den Stadtteilen und den Ortschaften sowie eine teilweise unzureichende Unterhaltung der Wege.
Für mich hat Sicherheit oberste Priorität. Kinder müssen sicher zur Schule fahren können, ältere Menschen sich auf dem Fahrrad wohlfühlen und Pendler zügig ihr Ziel erreichen. Deshalb möchte ich bestehende Schwachstellen systematisch erfassen, Prioritäten setzen und sie Schritt für Schritt beseitigen. Dafür halte ich den Dialog mit Interessenvertretungen wie dem ADFC, aber auch Bürgerinnen und Bürgern für unbedingt wichtig.
Eine fahrradfreundliche Stadt entsteht nicht durch ein Zertifikat, sondern dadurch, dass die Menschen im Alltag spüren, dass sie sicher, komfortabel und ohne Umwege mit dem Fahrrad unterwegs sein können. Richard Klaus:
Trotz der Zertifizierung als „fahrradfreundliche Kommune“ bestehen in Stade weiterhin deutliche Defizite in der Fahrradinfrastruktur. Besonders auffällig ist, dass viele Radwege nicht durchgängig, nicht intuitiv und teilweise sogar sicherheitskritisch gestaltet sind. Im Vergleich zu Städten wie Münster, Freiburg oder Nordhorn fehlt es an einer klaren, durchgehenden und konfliktarmen Radverkehrsführung.
Das Defizit ist nicht mehr das Fehlen einer Netzplanung, sondern die noch ausstehende konsequente Umsetzung des geplanten Radvorrangnetzes und die bestehenden Netzlücken.1. Unübersichtliche und gefährliche Radwegführungen
An mehreren Stellen werden Radwege abrupt auf die Fahrbahn zurückgeführt oder in unlogische Linien gezwungen – etwa an der Wallstraße/Schiffertorsstraße oder in der Altländer Straße. Diese Übergänge erhöhen das Risiko, dass Radfahrende übersehen werden. Die Führungen an Kreisverkehren müssen mit dem Ziel, Unfallrisiken zu reduzieren, überprüft werden.
2. Fehlende baulich getrennte, sichere Radwege
Stade verfügt bislang kaum über sogenannte „Protected Bike Lanes“, wie sie andere niedersächsische Städten bereits umgesetzt haben. Radfahrende müssen sich häufig den Raum mit dem motorisierten Verkehr teilen, was insbesondere für Kinder, ältere Menschen und ungeübte Radfahrende ein Sicherheitsproblem darstellt.
3. Kein eigenständiges, durchgehendes Radwegenetz
Im Gegensatz zu Münster oder Freiburg fehlt ein Netz, das unabhängig vom Autoverkehr funktioniert. Die Ortsteile Wiepenkaten, Haddorf, Bützfleth, Ottenbeck und Hagen sind nicht über komfortable, direkte und sichere Fahrradstraßen mit dem Stadtkern verbunden. Ein solches Netz ist entscheidend, um den Radverkehr als echte Alternative zum Auto zu etablieren. Das geplante Radvorrangrouten‑ und Radergänzungsroutennetz der Hansestadt Stade – bestehend aus acht Hauptrouten und drei Radwegringen – muss konsequent umgesetzt werden, um die Ortsteile sicher und durchgängig anzubinden.
4. Unzureichende Abstell- und Ladeinfrastruktur
Abschließbare Fahrradboxen, sichere Abstellanlagen und Ladepunkte für E‑Bikes sind nur punktuell vorhanden. Moderne Fahrradstädte setzen auf überwachte Abstellanlagen und Fahrradparkhäuser. Hier besteht in Stade Nachholbedarf. Mit Photovoltaik überdachte Abstellplätze - auch für Lastenräder - sind an wichtigen Standorten notwendig.
5. Ampelschaltungen und Querungen sind nicht radfreundlich
Die Entkopplung der Grünphasen sowie eine „Grüne Welle“ für Radfahrende – wie sie in Bremen getestet wird – fehlen bislang. An signalisierten Knotenpunkten sollte geprüft werden, wo Wartezeiten und Querungsbedingungen für Rad- und Fußverkehr verbessert werden können und ob eine „grüne Welle“ sinnvoll ist.
6. Beteiligung der Radfahrenden und Fußgänger an der Verkehrsplanung
Die bereits bestehende Beteiligung von ADFC und AG Radverkehr sollte verstetigt, transparenter gemacht und möglichst frühzeitig in Planungsverfahren eingebunden werden.
Darüber hinaus sind Fußgänger und Menschen mit Behinderungen in die Planung einzubeziehen. Sehbehinderte, Rollstuhlfahrer und Menschen, die auf Rollatoren angewiesen sind, werden zu wenig berücksichtigt. Kopfsteinpflaster und Fußwege mit Neigung erschweren die Mobilität. Zum Teil treten sie in Konkurrenz: haptische Markierungen für Sehbehinderte wurden so hoch ausgeführt, dass Menschen mit Rollatoren behindert werden. An Fußgängerampeln sind die Bordsteine zwar abgesenkt aber nicht barrierefrei (z.B. Schiffertorsstraße am Altenheim). Hier sind Nachbesserungen dringend notwendig.
7. Baustellenführung ist oft nicht radgerecht
Radfahrende werden bei Baustellen häufig auf Gehwege oder in unklare Umleitungen gezwungen. Die Stadt betont selbst, dass Radwege bei Straßen‑ und Wegebauprojekten stets mitzudenken sind – dies muss auch für Baustellenführungen gelten.
- Tristan Jorde:
- Tristan Jorde:
Vordringlich sind vor allem die Entschärfung der bereits bekannten Unfallpunkte, die Entflechtung vom Fußverkehr und die Auflassung rechtswidriger Gebotsschilder und nerviger Ampelschaltungen. Das kostet wenig und bringt viel. - Enrico Bergmann:
Die dringendsten Maßnahmen sind aus meiner Sicht die, die sich kurzfristig und spürbar umsetzen lassen.
Dazu gehört zunächst eine Fahrrad-Etage im Parkhaus Wallstraße mit sicheren Stellplätzen für Fahrräder, E-Bikes und Lastenräder. Das erleichtert den Umstieg vom Auto auf das Fahrrad und macht die Innenstadt attraktiver.
Ebenso wichtig ist die regelmäßige Unterhaltung der vorhandenen Radwege. Grünschnitt, freie Sicht, sichere Übergänge sowie die schnelle Beseitigung von Schlaglöchern und Unebenheiten müssen selbstverständlich sein.
Außerdem brauchen wir mehr Sicherheit im täglichen Miteinander. Das betrifft alle Verkehrsteilnehmer – Autofahrer, Radfahrer und E-Scooter-Fahrer gleichermaßen. Wer Verkehrsregeln missachtet, gefährdet andere. Deshalb gehören Aufklärung und Kontrollen ebenfalls zu einer guten Verkehrspolitik. - Arne Kramer:
Ein wichtiger erster Schritt ist aus meiner Sicht die Überprüfung der bestehenden Radwegebenutzungspflichten. Viele davon sind heute rechtlich oder verkehrlich nicht mehr notwendig.
Ich halte es für sinnvoll, die Benutzungspflicht grundsätzlich zu überprüfen und aufzuheben, und dort neu anzuordnen wo sie rechtlich erforderlich ist. Das bedeutet nicht, dass jeder Radfahrer künftig auf der Fahrbahn fahren muss. Die vorhandenen straßenbegleitenden Radwege können selbstverständlich weiterhin genutzt werden – dann aber als Angebotsradwege.
Ich glaube, dass diese Klarstellung bereits zu einem anderen Verständnis bei allen Verkehrsteilnehmern führen wird. Gleichzeitig müssen wir die bestehenden Radverkehrskonzepte konsequent umsetzen und den Radverkehr im Stadtbild sichtbarer machen. Je selbstverständlicher Radfahrer im Straßenverkehr wahrgenommen werden, desto größer wird auch die gegenseitige Rücksichtnahme.
Ebenso wichtig ist eine gute Kommunikation. Wir müssen erklären, warum bestimmte Maßnahmen sinnvoll sind und welchen Nutzen sie für alle Verkehrsteilnehmer bringen. - Kai Koeser:
An erster Stelle steht für mich, bestehende Schwach- und Gefahrenstellen konsequent zu beseitigen. Nicht jede Verbesserung erfordert große Bauprojekte, oft lassen sich mit einer optimierten Ampelschaltung, besseren Markierungen oder einer sichereren Kreuzung bereits spürbare Fortschritte erzielen.
Darüber hinaus müssen mittel- und langfristig Lücken im Radwegenetz geschlossen werden, damit wichtige Alltagsziele wie Schulen, Kitas, Sportstätten, die Innenstadt und Bahnhöfe sicher und durchgängig mit dem Fahrrad erreichbar sind. Ebenso wichtig sind ausreichend sichere und moderne Fahrradabstellanlagen. - Richard Klaus:
Die dringendsten Maßnahmen zur Verbesserung des Radverkehrs in Stade liegen aus meiner Sicht in drei Bereichen: Sicherheit, Durchgängigkeit und Komfort. Obwohl Stade 2025 als „fahrradfreundliche Kommune“ zertifiziert wurde, bestehen weiterhin strukturelle Defizite, die den Radverkehr ausbremsen und für viele Menschen unsicher machen.
1. Sofortige Verbesserung der Verkehrssicherheit
Viele Radwege sind unübersichtlich geführt oder enden abrupt. Besonders kritisch sind Übergänge, an denen Radfahrende plötzlich auf die Fahrbahn geleitet werden – etwa an der Wallstraße/Schiffertorsstraße oder in der Altländer Straße. Dringend notwendig sind:
• Prüfung von Trixi-Spiegeln an geeigneten signalisierten Knotenpunkten mit relevanten Abbiegekonflikten
• Tempo 30 in der Wallstraße und Hansestraße sowie eine weitergehende Verkehrsberuhigung der Altstadt prüfen und dort umsetzen, wo die rechtlichen und verkehrlichen Voraussetzungen vorliegen.
• bauliche Trennelemente zum Schutz stark frequentierter Radwege
• Sichere, eindeutige Führung an Kreisverkehren
• Nur eine Fahrtrichtung in Kreisverkehren. Radwege an Kreisverkehren sollten nur in einer Fahrtrichtung geführt werden; Zweirichtungsradverkehr ist möglichst zu vermeiden.
Diese Maßnahmen reduzieren Unfallrisiken und schaffen Vertrauen bei Radfahrenden.
2. Aufbau eines durchgehenden, eigenständigen Radwegenetzes
Stade braucht ein Radwegenetz, das nicht nur „mitläuft“, sondern eigenständig funktioniert. Stade 2040 sieht vor, Radwege schrittweise auf angemessene Breiten zu bringen und möglichst eine Trennung von Fuß‑ und Radverkehr umzusetzen.
Dringend erforderlich sind:
• Neue Fahrradstraßen zwischen den Ortsteilen (Wiepenkaten, Haddorf, Bützfleth, Ottenbeck, Hagen) und dem Stadtkern
• Durchgehende, baulich getrennte Radwege („Protected Bike Lanes“)
• Direkte, schnelle Verbindungen ohne Umwege oder gefährliche Querungen
• Prüfung einer kreuzungsfreien Querung der B73 zur besseren Anbindung Wiepenkathens.
Andere niedersächsische Städte wie Oldenburg, Osnabrück oder Göttingen zeigen, dass solche Netze den Radverkehr massiv stärken.
Die geplanten acht Radvorrangrouten und drei Radwegringe müssen zügig umgesetzt werden, damit ein durchgehendes Netz entsteht.
3. Komfortmaßnahmen für den Alltag
Radverkehr wird nur dann selbstverständlich genutzt, wenn er bequem ist. Dazu gehören:
• Abschließbare Fahrradboxen mit Stromanschluss (z. B. in Parkhäusern)
• Fahrradkeller in öffentlichen Gebäuden
• Mehr Leihfahrräder mit Flatrate für Einwohner und Zeitpauschalen für Gäste
• Bessere Mitnahmemöglichkeiten in Bussen
• Optimierte Ampelschaltungen
◦ längere Grünphasen für Radfahrende und Fußgänger
◦ Prüfung einer „Grünen Welle“ für Radfahrende
• Radfreundliche Baustellenführung (Niedersachsen-Empfehlung seit 2024)
Diese Maßnahmen erhöhen die Attraktivität des Radfahrens im Alltag deutlich. Perspektivisch sollten Mobilitätsanker entstehen – mit Fahrradboxen, Leihangeboten, Servicepunkten und ÖPNV‑Verknüpfung.
4. Verbindliche Beteiligung der Radfahrenden
Ein zentraler Punkt ist die strukturelle Einbindung der Radfahrenden und Fußgänger in die Verkehrsplanung. Fahrradfreundliche Städte wie Münster oder Freiburg arbeiten seit Jahren mit festen Beteiligungsformaten. Stade braucht:
• einen ständigen Verkehrsbeirat,
• regelmäßige Beteiligungsrunden,
• transparente Entscheidungsprozesse.
Nur wenn Betroffene frühzeitig eingebunden werden, entstehen Lösungen, die wirklich funktionieren.
- Tristan Jorde:
- Tristan Jorde:
Es wird erhebliche Widerstände bei der Neuverteilung der Verkehrsflächen geben,da Stade über Jahrzehnte den unbedingten Vorrangs des KfZ Verkehrs propagiert und gelebt hat. Da werden dicke Bretter zu bohren sein. Neben guter konzeptioneller Arbeit werden es vor allem intensiver Dialog mit den Betroffenen und ein attraktives Angebot an ÖPNV und Radinfrastruktur sein, die Widerstände überwinden helfen können. - Enrico Bergmann:
Ich glaube nicht, dass eine Verkehrswende durch Verbote oder das Wegnehmen von Möglichkeiten gelingt. Mein Ansatz ist ein anderer: Wir müssen so gute Alternativen schaffen, dass sich die Menschen freiwillig dafür entscheiden.
Genau das habe ich selbst erlebt. Heute fahre ich viele Strecken in Stade lieber mit dem Fahrrad als mit dem Auto, weil es oft schneller und praktischer ist. Diese Entscheidung sollte aber jeder selbst treffen können.
Deshalb möchte ich keine Politik gegen das Auto machen, sondern eine Politik für bessere Mobilität. Dazu gehören attraktive Radwege, gute Fußwege, ein leistungsfähiger öffentlicher Nahverkehr und sichere Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Wenn wir gute Lösungen schaffen, wird das Fahrrad automatisch attraktiver.
Ich bin überzeugt: Wenn die Alternativen sicher, komfortabel und alltagstauglich sind, entscheiden sich viele Menschen ganz von selbst häufiger für das Fahrrad oder den Fußweg. Dafür braucht es keine Bevormundung, sondern gute Angebote. - Arne Kramer:
Ja, selbstverständlich wird es Widerstände geben. Veränderungen im öffentlichen Raum lösen fast immer Diskussionen aus. Das ist auch völlig legitim.
Entscheidend ist, wie wir damit umgehen. Für mich gehört dazu, die Menschen frühzeitig mitzunehmen, Entscheidungen transparent zu erklären und zuzuhören. Gleichzeitig sollten wir uns immer wieder bewusst machen, dass wir alle unterschiedliche Rollen im Verkehr einnehmen. Wer heute mit dem Auto unterwegs ist, fährt morgen vielleicht mit dem Fahrrad oder geht zu Fuß.
Aus meiner beruflichen Tätigkeit weiß ich außerdem, wie wichtig Aufklärung ist. Viele Konflikte entstehen aus Unsicherheit oder Missverständnissen. Wenn wir nachvollziehbar erklären, warum Maßnahmen der Verkehrssicherheit dienen und welche Vorteile sie bringen, lassen sich viele Vorbehalte abbauen. - Kai Koeser:
Für mich geht es nicht darum, Verkehrsmittel gegeneinander auszuspielen. Wir müssen jeweils schauen, welche Lösung an einem konkreten Ort die beste ist. Dort, wo mehr Sicherheit für Radfahrende und zu Fuß Gehende erreicht werden kann, sollten wir den öffentlichen Raum entsprechend gestalten. Gleichzeitig müssen die Bedürfnisse von Anwohnerinnen und Anwohnern, Gewerbe, Rettungsdiensten, ÖPNV und Menschen berücksichtigt werden, die auf das Auto angewiesen sind oder lieber weiterhin mit dem Auto fahren wollen.
Entscheidend ist, dass Veränderungen einen erkennbaren Mehrwert für die Mobilität in Stade schaffen. Wenn Wege sicherer werden, die Aufenthaltsqualität steigt und der Verkehr insgesamt besser funktioniert, wächst auch die Akzeptanz. Mein Anspruch als Bürgermeister ist es, unterschiedliche Interessen zusammenzubringen und tragfähige Lösungen für Stade zu entwickeln. - Richard Klaus:
Eine Verkehrswende hin zu mehr Fahrrad- und Fußverkehr bedeutet zwangsläufig, dass der öffentliche Raum neu verteilt werden muss. Das führt erfahrungsgemäß zu Widerständen – sowohl von Autofahrenden als auch von Gewerbetreibenden, Anwohnerinnen und Anwohnern oder Pendlerinnen und Pendlern aus dem Umland. Mit diesen Widerständen rechne ich ausdrücklich.
Für mich ist entscheidend: Die städtische Verkehrsplanung darf nicht nur eine Gruppe von Verkehrsteilnehmenden berücksichtigen. Die Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmenden müssen berücksichtigt werden. Auch an die mehr als 100.000 Bewohnerinnen und Bewohner des Landkreises Stade muss gedacht werden, die nicht in einer der Hansestädte leben, aber täglich auf eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur angewiesen sind. Stade hat einen erheblichen Einpendlerüberschuss von fast 10.000 Menschen.
Eine Verkehrswende gelingt nur, wenn sie fair, transparent und gemeinsam gestaltet wird. Deshalb setze ich auf folgende Grundprinzipien:
1. Frühzeitige und verbindliche Beteiligung aller Betroffenen
Widerstände entstehen oft, weil Menschen das Gefühl haben, übergangen zu werden. Ich möchte Radfahrende, Fußgängerinnen und Fußgänger, Autofahrende, Gewerbetreibende und Pendler aus dem Landkreis frühzeitig einbinden – durch:
• Beteiligungsrunden
• Workshops
• einen festen Rad- und Fußverkehrsbeirat
• transparente Entscheidungsprozesse
So entsteht Verständnis für Veränderungen und Vertrauen in die Planung.
2. Klare Kommunikation der Vorteile
Viele Konflikte entstehen, weil die Vorteile einer Neuverteilung des Raumes nicht sichtbar sind. Ich möchte deutlich machen:
• dass sichere Radwege auch Autofahrenden helfen, weil Konflikte reduziert werden,
• dass weniger innerstädtischer Autoverkehr den Pendlerverkehr aus dem Landkreis flüssiger machen kann,
• dass eine lebenswertere Innenstadt Handel, Gastronomie und Tourismus stärkt.
Wenn Menschen verstehen, dass sie selbst profitieren, sinkt der Widerstand.
3. Schrittweise Umsetzung statt radikaler Eingriffe
Große Veränderungen sollten nicht über Nacht passieren. Ich setze auf:
• Pilotprojekte
• temporäre Verkehrsversuche
• schrittweise Anpassungen
So können wir Erfahrungen sammeln, Fehler korrigieren und Akzeptanz schaffen.
4. Lösungen für Pendlerinnen und Pendler aus dem Landkreis
Die Verkehrswende darf nicht zulasten derjenigen gehen, die täglich aus dem Umland nach Stade kommen. Deshalb braucht es:
• bessere Park‑&‑Bike‑Angebote
• sichere Radwege aus den Ortsteilen
• attraktive ÖPNV‑Verbindungen
• klare Verkehrsführung für den motorisierten Verkehr, wo er notwendig bleibt
Nur wenn die Bedürfnisse des gesamten Landkreises berücksichtigt werden, bleibt die Verkehrswende sozial ausgewogen.
5. Respektvoller Umgang mit Kritik
Widerstand ist kein Hindernis, sondern ein wichtiger Teil demokratischer Stadtentwicklung. Ich möchte Kritik ernst nehmen, sachlich beantworten und gemeinsam nach Lösungen suchen. Verkehrspolitik gelingt nur im Dialog – nicht im Gegeneinander.
- Tristan Jorde:
- Tristan Jorde:
Klarerweise muss der ADFC aufgrund seiner jahrzehntelangen Expertise eine wichtige Rolle bei Konzeption und Dialog spielen. Ich fände es erfreulich, wenn Stade damit endlich aus seiner autofreundlichen Sackgasse herauskommen könnte. - Enrico Bergmann:
Ich wünsche mir eine enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem ADFC. Deshalb werde ich dem ADFC auch selbst beitreten. Ich finde es wichtig, dass Radfahrer eine starke Interessenvertretung haben und ihre Erfahrungen in politische Entscheidungen einfließen.
Darüber hinaus halte ich es für sinnvoll, den ADFC bei wichtigen Projekten frühzeitig einzubinden und ihm regelmäßig die Möglichkeit zu geben, seine fachliche Sichtweise beispielsweise im zuständigen Fachausschuss einzubringen.
Als Bürgermeister würde ich dem ADFC jederzeit ein offenes Ohr anbieten. Mir ist wichtig, dass Verwaltung, Politik und Interessenvertretungen im Gespräch bleiben und gemeinsam Lösungen entwickeln.
Mein Ziel ist eine wirklich fahrradfreundliche Hansestadt Stade – nicht durch Verbote oder Zwang, sondern indem das Fahrrad zu einer attraktiven, sicheren und selbstverständlichen Alternative im Alltag wird. - Arne Kramer:
Ich arbeite bereits heute in meiner beruflichen Tätigkeit regelmäßig mit dem ADFC zusammen und habe diese Zusammenarbeit immer als konstruktiv erlebt.
Genau diesen Austausch möchte ich als Bürgermeister fortsetzen. Der ADFC sollte frühzeitig eingebunden werden, wenn größere Baumaßnahmen, Veränderungen an der Radverkehrsführung oder neue Projekte geplant werden. Ebenso wichtig ist es, Hinweise aus der Praxis ernst zu nehmen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
Darüber hinaus sehe ich den ADFC auch als wichtigen Partner in der Verkehrssicherheitsarbeit. Gemeinsam können wir Informations- und Aufklärungskampagnen entwickeln und dazu beitragen, das Verständnis zwischen Radfahrern, Fußgängern und Autofahrern zu verbessern.
Denn am Ende verfolgen wir alle das gleiche Ziel: einen sicheren und funktionierenden Verkehr für alle. - Kai Koeser:
Ich verstehe den ADFC als wichtigen Ansprechpartner, wenn es um die Weiterentwicklung des Radverkehrs in Stade geht. Wer täglich mit dem Fahrrad unterwegs ist, kennt viele Probleme und kann wertvolle Hinweise für
praxistaugliche Lösungen geben.
Grundsätzlich ist es mir wichtig, als Bürgermeister den regelmäßigen Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen sowie mit Vereinen und Verbänden zu pflegen. Gute Kommunalpolitik entsteht im Dialog, nicht am Schreibtisch. Deshalb möchte ich den ADFC frühzeitig in Planungen einbeziehen und einen kontinuierlichen Austausch etablieren, statt nur bei einzelnen Projekten miteinander zu sprechen.
Mein Ziel ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Gemeinsam können Verwaltung, Politik, Bürgerschaft und Verbände dazu beitragen, Stade Schritt für Schritt sicherer, lebenswerter und fahrradfreundlicher zu machen. - Richard Klaus:
Eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Interessenvertretungen aller Verkehrsteilnehmenden ist für eine akzeptierte und zukunftsfähige Verkehrsplanung notwendig. Der ADFC wird daher weiter in die Planung einer erfolgreichen Verkehrswende eingebunden sein. Der ADFC Stade verfügt über große fachliche Expertise, praktische Erfahrung und ein gutes Gespür für die Bedürfnisse der Radfahrenden. Die bestehende Zusammenarbeit mit dem ADFC möchte ich fortsetzen und weiterentwickeln.
Ein wichtiges Ziel meiner Kandidatur ist es, mehr Demokratie zu leben und Beteiligung zu stärken.
1. Beteiligungsstrukturen stärken
Ich möchte den ADFC Stade weiterhin als festen Partner in einem regelmäßig tagenden Verkehrsbeirat einbinden. Dort sollen Radfahrende, Fußgängerinnen und Fußgänger, Rollstuhlfahrer und Sehbehinderte, ÖPNV‑Nutzende, Gewerbetreibende und Pendlerinnen und Pendler aus dem Landkreis gemeinsam mit der Verwaltung über sinnvolle Verkehrsmaßnahmen beraten.
2. Frühzeitige Einbindung in Planungsprozesse
Der ADFC sollte nicht erst am Ende eines Projekts gehört werden, sondern bereits in der Konzeptionsphase. So können Hinweise zu Sicherheit, Führung, Breite und Komfort von Radwegen frühzeitig berücksichtigt werden.
3. Gemeinsame Pilotprojekte und Verkehrsversuche
Ich möchte Verkehrsversuche – etwa neue Fahrradstraßen, geschützte Radwege oder veränderte Ampelschaltungen – gemeinsam mit dem ADFC begleiten. Der Verband kann wertvolle Rückmeldungen aus der Praxis liefern und hilft, Maßnahmen realistisch zu bewerten.
4. Austausch über Best‑Practice‑Lösungen
Der ADFC ist bundesweit vernetzt und kennt erfolgreiche Beispiele aus Münster, Freiburg, Nordhorn oder Oldenburg. Diese Erfahrungen können helfen, Stade schneller und effizienter fahrradfreundlicher zu machen.
5. Zusammenarbeit bei Öffentlichkeitsarbeit und Mobilitätsbildung
Der ADFC kann eine wichtige Rolle bei Informationskampagnen, Schulungen, Fahrradchecks oder Aktionen wie dem „Stadtradeln“ spielen. Eine gemeinsame Ansprache stärkt das Bewusstsein für sichere und nachhaltige Mobilität.
6. Respektvoller Umgang mit unterschiedlichen Interessen
Der ADFC vertritt die Interessen der Radfahrenden – und das ist wichtig. Gleichzeitig müssen die Bedürfnisse anderer Verkehrsteilnehmender berücksichtigt werden. Ich möchte den ADFC als starken Partner weiter einbinden, ohne andere Gruppen auszuschließen. Nur so entsteht eine Verkehrspolitik, die von der gesamten Stadtgesellschaft getragen wird.
- Tristan Jorde: